Auf der Walleralm
Almabtrieb
Die Alm im Winter
Hintersteiner See

Sagen rund um die Walleralm

Geister auf der Alm

Die Gegend um die Walleralm war einst nicht geheuer, denn es geisterte da manche Nacht ganz furchtbar.

Ein alter Senner, der auf der Alm über zwanzig Jahre gewirtschaftet hatte, starb plötzlich, und seit seinem Tod geisterte es auf der Alm derart, dass die zwei jungen Sennerinnen, die dort ein­gezogen sind, es nicht mehr aushielten. Am Hinterstein und Ei­berg war viel Gerede von dem Geisterspuk.

Doch der Hans am Eiberg konnte das Gerede von der Geisterei nicht mehr hören. Eines schönen Abends saß er mit seinen Kameraden beim Schmiedlwirt am Eiberg beisammen, als wieder das Gespräch auf die Walleralmgeister kam. „Wisst ihr was", sagte der Hans, „wenn ihr a Schneid habt, gehen wir hinauf und fangen die Gei­ster!" Gesagt, getan. Es war Neumond, die Nacht ganz dunkel.

Die Burschen stiegen hinauf zur Walleralm, verteilten sich dort und schlichen dann hinter Zäunen und Gesträuch zu den Alm­hütten der zwei jungen Sennerinnen. In allen Almhütten ringsum war es dunkel und alles lag in sanftem Schlummer, nur da und dort flatterte ein aufge­schreckter Vogel auf.

Es kam die zwölfte Stunde und siehe, die Geister erschienen mit furchtbarem Lärm, Gebrüll und Ketten­gerassel. Die Burschen aber, die im Versteck gelegen waren, sprangen mit Geschrei auf sie zu, um sie festzuhalten, aber sie entschwanden.

Am anderen Tag sah man zwei junge unbekannte Senner mit ihrem Bündel von der Walleralm gegen Hinterstein hinabge­hen und man war fest überzeugt, dass dies die erlösten Geister waren, denn seit damals geistert es nicht mehr auf der Walleralm.

Quelle: „Wandern zu Sagen und Mythen im Wilden Kaiser“ von Herbert Jenewein (Tyrolia-Verlag) 

Die Sage vom Hintersteiner See

Über die Entstehung des Hintersteiner Sees gibt es folgende Sagen:

1. Die Bauern

In Hinterstein lebten einst übermütige, reiche Bauern, die auf ihrer saftigen Heimweide, das war die Gegend, wo heute der Hintersteiner See liegt, mit Butterknollen Kegel schoben. Es war eine mondhelle Nacht, als sie wieder einmal spielten. Da schwankte plötzlich der Boden unter ihren Füßen und sie sanken samt Haus und Hof in die Tiefe.

Die Bauern aber sind für ihren Frevel auf die Scheffauerspitze hinauf verbannt worden und müssen dort zur Strafe Kegel schieben, solange der Kaiser steht. Diese Kegelstatt liegt etwas unterhalb der Spitze des Scheffauers in einem mit feinem Moosteppich belegten kleinen Felskessel.

Nach der Erzählung hatten die reichen Hintersteiner Bauern einen heftigen Streit um eine Quelle. Selbst an einem hohen Feiertag, dem Fronleichnamsfest, stritten sie den ganzen Tag, und zuletzt wurde gar noch gerauft. Wie am nächsten Tag in aller Früh die gemeinsame Sennerin der Bauern, ein rechtschaffenes, frommes Ding, dem Streit schon lange zuwider war, auf die Heimweide melken geht, sieht sie vor dem Haus eine kleine Wasserlache, wo sonst nie eine gewesen. Sie bemerkt sie kopfschüttelnd, geht aber weiter. Nach langem Suchen findet sie die Kühe, die zu ihrer Verwunderung dicht zusammen in einer Senke liegen. Sie melkt sie rasch, um bald wieder auf den Hof zu kommen, da sieht sie vom oberen Rand der Senke aus nur mehr das Dach eines einzelnen Hauses aus dem Wasser ragen.

 

2. Der Bettlerstein

In alter Zeit wanderte ein Bettler von Kopfstoan (Kufstein) nach Kitzbühel. Sein Weg führte ihn durch das Sölland. Stolz und mächtig sah ihm die Burg Funkelstein entgegen. Der Bettler setzte sich, unweit von der Burg, auf einen Stein. Er konnte die Burg nicht genug betrachten und fragte sich: "Soll ich anklopfen um ein Almosen, oder nicht?" Es war gen Abend. Vor dem stolzen Tor der Burg Funkelstein der Bettler; aus seinen Lippen preßte er die Worte hervor: "Macht mir auf- ein Armer bittet um ein Stück Brot."

Der Torwart sagte: "Hier wirst du umsonst harren um ein Stück Brot. Der Burgherr ist geizig. Seine Frau schmachtet im Verließ; niemand kann sie retten - außer durch ein Wunder."

Ich will sie retten, die arme Burgfrau, dachte sich der Bettler. Zum Torwärter sagte er: "Kannst du mir Hammer und Meißel verschaffen?"

"Ich kann es." Der Torwärter brachte dem Bettler Hammer und Meißel. "Wo eine kleine Tanne aus dem Boden wächst, dort ist die Burggräfin gefangen", erklärte der Torwärter dem Bettler.

Sein Schweiß perlte tropfenweise auf den Boden. Er arbeitete unverdrossen. Der Bettler erhob sich - es war Mitternacht. Ein paarmal noch und die Burggräfin ist - erlöst. Jetzt war ein Loch; durch dieses Loch stieg die Burgfrau heraus.

"Wohin willst du gehen?"

"Fort, weit weg von diesem grausamen Manne."

"Darf ich dich begleiten?"

"Ja", sagte sie.

Über Berg und Tal ging es. Durch Wald und Felder. Ins Bayerland hinaus. Die Burgfrau wollte bei ihrem Vater-einem bayrischen Ritter- bleiben. An einer Quelle hielten die beiden flüchtige Rast. Der Bettler reichte der Gräfin Wasser. Sie trank - sie war erschöpft.

Der Bettler machte der Gräfin aus Farn und Blättern ein Ruheplätzchen. Die Burgfrau machte einen kurzen Schlaf. Während des Schlafes schlug der Bettler Haselnüsse auf und aß sie.

Als die Gräfin wieder wach wurde, schenkte ihr der Begleiter Wasser ein.
"Ich muß sterben, ich bin schwach um mich zu erheben."

"Eher als du stirbst, werde ich Stein sein."

Kaum waren diese Worte den Lippen des Bettlers entglitten, da stand er, in Stein verwandelt, neben der Gräfin. Diese erschrak und war tot.

Am anderen Tage fanden Bauern aus der Nähe die Leiche der Gräfin und das Steingebilde. Das Volk nannte das Steingebilde den "Bettlerstein".

Nach einigen Jahrzehnten kaufte der Funkelsteiner dem Bauern den Bettlerstein ab und ließ das Gebilde im Schloßhof aufstellen.

Am dreizehnten Tage der Aufstellung fiel das Steingebilde auseinander. Ein Blitz krachte; Funkelstein fing an zu sinken.

An der Stelle, wo einst Funkelstein stand, liegt heute der Hintersteinersee.

Quelle: Anton Schipflinger in: Sonntagsblatt Unterland, 1936 Nr. 12, S. 7. aus: Sagen, Bräuche und Geschichten aus dem Brixental und seiner näheren Umgebung, gesammelt und niedergeschrieben vom Penningberger Volksliteraten Anton Schipflinger, zusammengestellt von Franz Traxler, Innsbruck 1995 (Schlern-Schriften Band 299).