Auch zur Entstehung des Hintersteiner Sees gibt es zwei schöne Sagen: lesen Sie hier
Geister auf der Alm
Die Gegend um die Walleralm war einst nicht geheuer, denn es geisterte da manche Nacht ganz furchtbar.
Ein alter Senner, der auf der Alm über zwanzig Jahre gewirtschaftet hatte, starb plötzlich, und seit seinem Tod geisterte es auf der Alm derart, dass die zwei jungen Sennerinnen, die dort eingezogen sind, es nicht mehr aushielten. Am Hinterstein und Eiberg war viel Gerede von dem Geisterspuk.
Doch der Hans am Eiberg konnte das Gerede von der Geisterei nicht mehr hören. Eines schönen Abends saß er mit seinen Kameraden beim Schmiedlwirt am Eiberg beisammen, als wieder das Gespräch auf die Walleralmgeister kam. „Wisst ihr was", sagte der Hans, „wenn ihr a Schneid habt, gehen wir hinauf und fangen die Geister!" Gesagt, getan. Es war Neumond, die Nacht ganz dunkel.
Die Burschen stiegen hinauf zur Walleralm, verteilten sich dort und schlichen dann hinter Zäunen und Gesträuch zu den Almhütten der zwei jungen Sennerinnen. In allen Almhütten ringsum war es dunkel und alles lag in sanftem Schlummer, nur da und dort flatterte ein aufgeschreckter Vogel auf.
Es kam die zwölfte Stunde und siehe, die Geister erschienen mit furchtbarem Lärm, Gebrüll und Kettengerassel. Die Burschen aber, die im Versteck gelegen waren, sprangen mit Geschrei auf sie zu, um sie festzuhalten, aber sie entschwanden.
Am anderen Tag sah man zwei junge unbekannte Senner mit ihrem Bündel von der Walleralm gegen Hinterstein hinabgehen und man war fest überzeugt, dass dies die erlösten Geister waren, denn seit damals geistert es nicht mehr auf der Walleralm.
Quelle: „Wandern zu Sagen und Mythen im Wilden Kaiser“ von Herbert Jenewein (Tyrolia-Verlag)



